Acne entwickelt KI-Kollektion

10.07.2020 | Trend

Ob Big Data oder Blockchain – die digitale Revolution erfasst immer mehr Branchen und Bereiche. Nun auch die Fashion. Was passiert, wenn Kreative sich mit IT-Trends befassen, hat die schwedische Modemarke Acne Studios mit ihrer aktuellen Herren-Kollektion demonstriert. Die für skandinavische Coolness und lässigen Style bekannte Marke hat sich die Frage gestellt, wie sich künstliche Intelligenz für den Designprozess nutzen lässt. Dafür haben sich die Stockholmer mit dem KI-Künstler Robbie Barrat zusammengetan. Design Lodge sprach mit Acne-Gründer und Kreativdirektor Jonny Johansson und Robbie Barrat über das Ergebnis.

Jonny Johannson

Jonny Johannson

DL: Wie kam es zu einer Kollektion, die auf Künstliche Intelligenz setzt?

Jonny Johannson: Uns ist klar, dass wir in vielen Bereichen eine Revolution brauchen. Ich fand es spannend, sich jetzt mit der Zukunft auseinander zu setzen, anstatt zu warten, bis sie um die Ecke schleicht. Ich wollte Künstliche Intelligenz als ein Werkzeug im Designprozess einsetzen. Vielleicht gehört sie eines Tages zum Standard in der Werkzeugkiste.

DL: Und wie hat dieser Design-Prozess funktioniert?

Jonny Johannson: Das war einfach und komplex zugleich: für die Kollektion hat Robbie Barrat seinen eigenen Code geschrieben und das neurale Netzwerk dabei mit Tausenden von Looks gefüttert, die für Acne Studios stehen. So hat der Computer angefangen, etwas über Kleidung zu lernen und schließlich eigene Looks zu generieren. Diese Bilder waren dann der Ausgangspunkt für unser Design.

Wie kann man sich das konkret vorstellen?

Robbie Barrat: Ich nutze KI wie ein Fotograf seine Kamera benutzt. Aber anstatt den Kamerawinkel auszuwählen, die Belichtung oder die Location, befasse ich mich mit technischen Parametern und riesigen Datensätzen von Fotos und Zeichnungen aus den Acne Studios.

DL: Wie war es, mit einer KI zusammenzuarbeiten?

Jonny Johannson: Es war sehr befreiend. Wenn man eine Kollektion designt, weiß man in etwa, wie eine Jacke aussieht oder eine Hose. Der Computer hat aber keine Ahnung, was eine Jacke ist. Er lernt anhand der Bilder, die wir ihm geben und kommt zu einer eigenen Idee. Das war das Befreiende: Wir konnten Kleidung designen, die wirkt, als käme sie aus einem anderen Universum.

Robbie Barrat

Robbie Barrat

Robbie Barrat: „Viele der Entwürfe waren ausgefallen: Die Art von Kleidung in den generierten Bildern war oft bizarr – riesige Mäntel, die sich in Hosen verwandelt haben oder die vielen schrägen Kragen, die irgendwo zwischen zwei oder drei verschiedenen Kleidungsarten waren.“

DL: Was macht die Kollektion aus?

Jonny Johannson: Sie steckt voller Möglichkeiten und ist disruptiv durch und durch. Für uns war die Kollektion eine Herausforderung: Wir mussten auf eine ganz neue Art und Weise über Kleidung nachdenken. Ich hoffe, unseren Kunden gefällt es genauso sehr zu experimentieren wie uns. Ich bin sehr stolz auf die Kollektion: Sie ist total experimentell, aber gleichzeitig fest verwurzelt im Hier und Jetzt.

(ik)