Blütenrausch: Damien Hirst in Paris

14.08.2021 | Kunst

Die Fondation Cartier pour l‘art Contemporain präsentiert „Cherry Blossoms“ von Damien Hirst. Auf Einladung des Generaldirektors Hervé Chandès werden dreißig Werke ausgestellt. Allesamt sind in den letzten drei Jahren im Londoner Studio des Konzeptkünstlers entstanden. Es ist Hirsts erste Museumsausstellung in Paris.

Vom diamantbesetzten Skull zur friedlich-lieblichen Kirschblüte – Damien Hirst gibt sich als Malerfürst. Möchte anknüpfen an die traditionellen Themen der Landschaftsmalerei und zelebriert seine Schaffensphase in einer großen Halle: Die monumentalen Leinwände sind an die Hallenfenster gelehnt, appetitlich kuratierte Farbtopf-Stillleben werden mit farbverschmierten Sesseln und historischer Chaiselongue stilistisch zu einem perfekten Atelier-Setting angereichert. Natürlich agiert Hirst eher subversiv, mehr Action Painting als Impressionismus. Mit dicken Pinselstrichen und viel Farbe werden aus Weiß, Rosa und gelegentlichem Orange Blütenwolken auf himmelblauem Grund aufgetragen. Dunkelgrüne Blätter wirken eher gestempelt als gemalt. Kraftvoll und holzschnittartig. So gar nicht blütenzauberleicht. Da verwundert nicht, dass die Deutungshoheit beim Künstler bleibt und Hirst sendungsbewusst über Hirst sagt: „Bei den Kirschblüten geht es um Schönheit, Leben und Tod. Sie sind extrem – sie haben etwas fast Kitschiges an sich. Sie sind dekorativ, aber der Natur entnommen. Sie sind schrill und chaotisch und zerbrechlich.“

30 großformatige Arbeiten umgeben von satter Vegetation

Mal wieder bringt er zusammen, was provoziert und doch auch gefällig daherkommt. 107 Werke umfasst der Kirschblütenrausch – alle bereits verkauft. Den Lockdown habe er als positiv empfunden, erklärt Hirst, das habe ihn immer wieder zum Malen angehalten: “Ich wollte, dass sich auch die Betrachter in meinen Bildern verlieren.“ Für 30 Arbeiten macht die Fondation Cartier das jetzt möglich. Die „Cherry Blossoms“ Serie präsentiert sich geradezu titanisch: Neben großformatigen Einzeltafeln werden Diptychen und Triptychen gezeigt.

Doch hinkt am Ende das Bild des kreativen Maler-Eremiten: Erst kürzlich hat er den Super-Hype um die sogenannte NFT-Kunst für sich entdeckt und die digitale Version von einigen tausend Papierarbeiten verkauft. Die physischen Arbeiten sind sicher verwahrt – die virtuellen gehorchen den Gesetzen des Blockchains. So einfach geht Multiplizierbarkeit. Dahinter lauert aber auch immer die Gefahr der Beliebigkeit.

Unbedingt erwähnenswert ist die Präsentation der Werke im Kontext der Umgebung. Den von Jean Novel konzipierten Bau aus Glas und Stahl umgibt ein von Lothar Baumgarten angelegter Garten mit Skulpturen im Stil englischer Parkanlagen. Das üppige Sommergrün der Bäume und Pflanzen bettet den gläsernen Baukörper ein, um durch Spiegelungen und Vertical-Garden-Elemente fließend mit den Innenräumen zu verschmelzen. Erst durch diese satte Vegetation scheinen die Kirschblüten auf ihren Leinenwänden magisch zu leuchten.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 2. Januar 2022
261 Boulevard Raspail, 75014 Paris
www.fondationcartier.com

Fotos: Damien Hirst, Prudence Cuming Associates, Calvin Courjon, Fondation Cartier Paris